Verpackungen sind für viele Produkte und Lebensmittel, die wir heute konsumieren, nahezu unerlässlich. Sie schützen die Ware auf den weiten globalen Produktions- und Versandwegen vor Schäden, verlangsamen bei Lebensmitteln unter Umständen den Verderb und im besten Fall beeinflussen sie diese nicht in Geschmack oder Farbe. Zudem sind Verpackungen Werbeträger, sollen ein Produkt erkennbar und unverwechselbar machen. Doch bei all den Anforderungen, die heutzutage an Verpackungen gestellt werden, wird ein Aspekt immer wichtiger für den Verbraucher: der ökologische Wert und die biologische Abbaubarkeit.

Dieser Aspekt gewinnt stetig an Bedeutung und es gibt schon heute diverse Möglichkeiten seiner Realisierung im gewerblichen wie privaten Sektor. Viele Neuheiten schwemmen den Markt und suchen sich in der Nische der ökologisch wertvollen Veroackungen zu etablieren

Warum biologisch wertvoll verpacken?

Vietnam - Müllsammlerin am Strand
Vietnam: Müllsammlerin am Strand
Plastikverpackungen an Spielsachen, Plastikverpackungen an Lebensmitteln. Bunte Folien mit Werbeaufschriften ummanteln Shampoos und diverse andere Gebrauchsgegenstände. Spielsachen selbst, aber ebenso auch Kleidung, Küchenutensilien und unzählige andere Gegenstände in unserem Alltag bestehen aus Kunststoffen. Bei jedem Einkauf bekommen wir erdölbasierte Plastiktüten mindestens angeboten, wenn nicht gar hinterher geworfen. Wir Menschen produzieren langlebigen Müll, wo wir gehen und stehen. Gründe, den menschlichen Lebensstil mithilfe abbaubarer Alternativen nachhaltiger zu gestalten, gibt es also reichlich. Doch wie sich bereits an der Aufzählung erkennen lässt, betrifft der maß- und gedankenlose Konsum an Produkten und ihren Verpackungen, die einerseits schützen und gleichzeitig informieren sollen, nicht ausschließlich den Endverbraucher. Wenn man also nachhaltiger leben möchte, ohne sich der Gesellschaft voll und ganz zu entziehen, hat man alle Hände voll zu tun, sich über jegliche Produkte und ihre Herkunft wie Entstehung und Zusammensetzung zu informieren, da oft ein scheinbar unproblematisches Produkt mit alles andere als umweltfreundlichen Methoden hergestellt und verpackt wird.


Es ist ein Irrglaube, zu denken, wir Europäer würden den größten Teil unseres Verpackungsmülls recyceln oder auf andere Art sinnvoll entsorgen. Wir entledigen uns seiner zu großen Teilen, indem wir ihn in Drittländer verschiffen, wo er in die Meere und Ozeane verbracht oder ebenso umweltschädlich verbrannt wird. Der Zeitpunkt – auch wenn er stets ein Stück näher rückt – ist noch nicht gekommen, an dem es ebenso leicht wie normal sein wird, umweltschonende Produkte wie selbstverständlich zu konsumieren.

Welche gängigen Methoden gibt es bereits?

Allgemein bekannt ist in erster Linie die Rückkehr zu Papier und Pappe aus mittlerweile FSC-zertifizierten Hölzern. Dieses Zertifikat steht für Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft und wird auch für Harze und andere aus ihr hervorgehende Produkte wie Reisig oder Beeren vergeben.

Der beliebteste Biokunststoff PLA (auch als Polymilchsäure bekannt) wird aus pflanzlichen Zucker gewonnen. Die einzelnen Formen des PLA finden Anwendung als Alternative Kunststoffe zu Polystyrol und Polypropylen. Standardmäßig ist PLA durchsichtig und glänzt. Abbaubar ist es unter bestimmten Wärme- und Feuchtigkeitsbedingungen in entsprechenden Verwertungsanlagen. Verwendung findet PLA beispielsweise fpr Kleidung, Teebeutel oder Kaffeepads, Schmuckdosen, Schalen, Becher, kohlensäurefreie Wasserflaschen oder für frische Säfte und Kosmetika, aber auch als Abmischung mit Holz oder PMMA. PMMA ist ein synthetischer Kunststoff, der für allerlei durch- und undurchsichtige Produkte Verwendung findet. Vorallem in der Medizin ist er an vielen Stellen unverzichtbar geworden.

Graspapier für die Verpackung von beispielsweise Äpfeln ist ebenfalls eine gute und CO2-arme Alternative. Besser als die Herstellung von Altpapier durch die Nutzung von fabriknahen Ausgleichsflächen wird bei dieser Methode weniger Wasser und Energie verbraucht.

Dies sind nur einige wenige bekannte Produkte unter vielen. Regelmäßig erscheinen neue Stoffe auf dem Markt, durchlaufen langwierige Phasen des Testes under der Etablierung. Entscheidend für den Erfolg ist neben Praktikabilität und Kosteneinsparung vor allem die Akzeptanz durch den Verbraucher.

Was ist neu und könnte alles verändern?

Styropor, für dessen Herstellung große Mengen an Benzin benötigt werden, kann durch Pilze ersetzt werden. Beliebig formbar, abbaubar, leicht und optisch ansprechend verspricht dieses Produkt aus Pilzen und anderen biologischen Stoffen, welches binnen weniger Tage in die jeweilige Form herein wächst, vorallem für Versand- sowie Autoindustrie und Bauwesen großes Potential.

Essbare Verpackungen aus Seetang für flüssige Nahrungsmittel sind ebenfalls sehr vielversprechend. Ähnlich wie die „Haut“ bei Trauben ist das Prinzip der Ummantelung der Flüssigkeiten. Es ist innovativ, anders und damit definitiv eine der für den Markt interessantesten Neuheiten und erlaubt die Abpackung von kleinen Mengen zu günstigen Preisen.

Eine relativ neue Methode, die sehr vielversprechend zu sein scheint, ist die Kennzeichnung der natürlichen Schalen einiger Obst- und Gemüsesorten wie zum Beispiel Süßkartoffeln mit Licht, also Laser. Auch Backwaren können mit dem Laser beschriftet werden. Zwar ist das natürliche Labelling schon seit 2013 in der EU als unbedenklich eingestuft und somit erlaubt worden, jedoch ist sein Potential in der tatsächlichen Umsetzung noch lange nicht ausgeschöpft. Zumindest in Deutschland ist der Einsatz von Laser zur Markierung von Lebensmitteln noch nicht so verbreitet, wie es möglich wäre. Viele Produzenten setzen noch immer auf konservative Methoden und verursachen jede Menge Müll durch Etiketten. Vielleicht einfach noch zu unbekannt hat das natürliche Labelling viele Vorteile, denn es ist labgfristig kosten- und energiesparend. Auch beeinflusst es die Lebensmittel in keiner Weise negativ oder greift gar die Schalen an. Es verändert lediglich deren Pigmentierung, das heißt es gibt keinen schnelleren Verderb oder Ähnliches durch dieses Verfahren.

Was kann man ganz einfach selber tun?

Am Besten beginnt man aber immer bei sich selbst, im eigenen Zuhause. Bereits erworbene Produkte können ruhig aufgebraucht werden. Sie ungenutzt zu entsorgen würde das Gefühl der Verschwendung von Ressourcen lediglich verstärken. Sinnvoll ist es aber, bereits ein oder zwei Baumwollbeutel zum Einkauf mitzunehmen, um vor Ort im Geschäft nicht gezwungen zu sein, sich doch nochmal eine Plastiktüte kaufen zu müssen, um alles Erworbene auch unbeschadet wieder nach Hause zu bekommen.

Tupperware, die man bereits besitzt, kann wunderbar beim Einkauf als Verpackung am Käse- oder Wurststand verwendet werden. Aber auch die Benutzung eigener wiederverwendbarer Kaffeebecher oder Dosen für das Mittagessen vom Imbiss ist bereits bei vielen ökologisch bewusst lebenden Menschen hoch im Kurs. Die Wahl des Geschäfts kann auch bereits vieles beeinflussen. So finden sich zum Beispiel in Bioläden selten vorverpackte Produkte und wenn doch, handelt es sich in der Regel bereits um biologische Verpackungen.

Blauer Engel SiegelBeim Kauf auf Zertifikate wie den Blauen Engel zu achten und bewusst nachhaltig erzeugte Produkte zu kaufen ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, den man selbst umsetzen kann.

Natürlich kann und sollte beim Einkaufen immer such darauf geachtet werden, dass nur gekauft wird, was auch tatsächlich verzehrt werden kann. So wird zusätzlicher Müll verringert, denn auch Discounter versuchen, durch computeroptimierte Prozesse überschüssige Waren zu vermeiden. Regionale Lebensmittel beispielsweise auf Märkten zu erwerben spart am meisten Verpackungsmüll, da weite Transportwege vermieden werden und somit ein aufwendiges Verpacken der frischen Lebensmittel nicht nötig wird.


Wussten Sie? Interessante Fakten:

  • Deutschland ist Spitzenreiter in der EU, wenn man sich den Verbrauch von Plastik ansieht. 11,7 Tonnen sind es. 6 Milliarden Plastiktüten konsumieren die Deutschen, welche im Schnitt nur etwa 25 Minuten Verwendung finden.
  • Eine Plastikflasche benötigt für die Zersetzung im Meer etwa 450 Jahre. Auch dann ist sie noch nicht abgebaut, sondern lediglich in Mikroplastik zerfallen.
  • Die Herstellung von Plastik verbraucht ca. 8 Prozent des weltweit geförderten Öls. Die Tendenz ist stark steigend.
  • Da in Deutschland und der EU etwa ein drittel aller Lebensmittel weggeworfen werden, gibt es auch Bestrebungen von politischer Seite, am gängigen Verhalten der Lebensmittelgeschäfte etwas zu rütteln. Strafen oder hohe Gebühren für Müll oder die Verpflichtung der Abgabe von Lebensmitteln an gemeinnützige Projekte sind beispielsweise in frankreich bereits Realität.
  • Die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) hat ein Internettool erstellt, in welchem Hersteller eine Entscheidungshilfe zur Verwendung biobasierter Kunststoffe erhalten. Für Einzelhändler gibt es seit 2015 vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) einen Leitfaden zum Einsatz von Serviceverpackungen im Naturkostfachhandel. Er soll Einzelhändler in der Wahl von Verpackungsmaterialien unterstützen.

Man kann also behaupten, dass viele erschreckende, aber auch Mut machende Fakten den Menschen kaum bekannt sind und das Potential der biologischen Verpackungen noch längst nicht ausgeschöpft ist. Denken Sie nicht, dass es nichts bewirkt oder zu schwer ist, umweltbewusst zu leben. Machen Sie nur die Augen etwas auf und sehen Sie, wie weit voran man schon gekommen ist.